die Blutegeltherapie – kleine Tiere… aber große Wirkung

Blutegel frisch aufgesetzt

Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden. Seit mehr als 2000 Jahren findet sie Anwendung in den wichtigsten traditionellen Medizinsystemen der Welt (traditionellen europäischen, ayurvedischen und chinesischen Medizin). Die erste eindeutige Schilderung findet sich in der ayurvedischen Medizin (jalauka).

Verwendet werden heute „Hirudo medicinales“ – der medizinische Blutegel. Diese Tiere stammen aus Zuchtanlagen oder kontrollierten Fanggebieten, in denen sie unter Aufsicht gesammelt werden.

Der Begriff Blutegel hat nichts mit dem Begriff EKEL gemeinsam. „Egel“ stammt vom griechischen Wort „echis“ ab – verwandt mit Igel und Quelle für das althochdeutsche Wort „Blutigel“, was so viel heißt wie „kleine Schlange“.

Die zunächst augenfällige Wirkung eines medizinischen

nach ca. 1 Stunde saugen

Blutegels ist der Aderlass. Es werden ca. 10 bis 50 ml Blut in ca. 60 bis 120 Minuten gesaugt. Die gleiche Menge fließt dann in den ca. 12 Stunden der Nachblutung noch nach.  Es werden maximal 5 Blutegel auf einmal gesetzt.

Aber die Hauptwirkung einer Blutegeltherapie hängt mit dem Sekret zusammen, das der Egel beim Saugen in die Wunde abgibt. Dieses Sekret besteht aus vielen pharmazeutisch wirksamen Bestandteilen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind:

Hirudin

Calin

Bdelin und Eglin

Hementin

Orgelase

Bakterienflora aus 5 verschiedenen Bakterien

Histamin

Der Hauptinhaltsstoff HIRUDIN hemmt die Blutgerinnung, das Calin hält dann die Wunde für ca. 12 Stunden offen. Bdelin und Eglin wirken antientzündlich, Hementin löst Blutgerinnsel auf, Orgelase ist ein Enzym, was den Blutstrom im Sauggebiet verstärkt, die Bakterien wirken antibiotisch im Wundbereich und das Histamin sorgt für die Gefäßdilation an der Bissstelle.

Blutegeltherapie wird bei vielfachen Erkrankung eingesetzt wie z. B. Gelenkserkrankungen des rheumatischen Formenkreis, Arthrosen, venösen Erkrankungen (wie Krampfadern, Thrombophlebitis uvm.), entzündlichen Erkrankungen. Hier ist aber grundsätzlich eine vollständige Anamnese durch eine Arzt oder Heilpraktiker notwendig.

Kontraindikationen sind Blutgerinnungsstörungen oder bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar, Heparin und ASS. Des weiteren bei Anämien und Kachexien.

Vorsicht ist auf jeden Fall geboten bei starken Allergikern (Fremdeiweiß-Allergie).

Die Blutegel werden nicht wieder verwendet, sondern sachgemäß entsorgt.

Nach Abfallen der Blutegel blutet die Wunden w. o. erwähnt noch ca. 12 Stunden nach, so dass ein lockerer aber saugfähiger Verband angelegt wird. Eine leicht fingernagelgroße Rötung um die Bissstelle stellt eine normale Reaktion auf das Saugen dar. Bei Jucken o. ä. in den Tagen danach erfolgt eine Versorgung mit Fenistil oder Quarkumschlägen.

Eine weitere Blutegelbehandlung kann je Patient und Anamnese nach ca. 2 bis 4 Wochen wiederholt werden.

(Quelle: Andreas Michalsen, Manfred Roth – Blutegeltherapie, Haug-Verlag)

 

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kleineryogi60

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